
10. Basilika des hl.Elias
Die dreischiffige Basilika überrascht durch ihre gut erhaltene romanische Form, mit Querschiff und Apsis.
Die Säulen mit verschiedenen Kapitellen sind antik. Der Kosmatenfussboden (13. Jh.) im Mittelschiff ist zum Teil, der des Querschiffes ganz erhalten. Deutlich abgesetzt erkennt man das alte Chor, dessen Schranken anderweitig verwendet wurden, z.B. als Abschluss zum Altarraum und an der Kanzel.
Im li. Seitenschiff: Sarkophage und ein Gedenkstein (s.S. 21), sowie Teile der ursprünglichen Basilika.
Im re. Seitenschiff: Wandfresken von Maria und Heiligen (s.S. 23).
Zwischen dieser Freskenreihe ist noch erkennbar ein vermauerter Durchgang, der als Zugang zum Kloster diente.
Das Kloster gehörte zu den 5 Abteien, die der hl. Benedikt im Umkreis von Rom gründete. Im 8. und 9. Jh. muss es eine Blüte künstlerischer Arbeit erlebt haben, wie erhaltene Stücke, vor allem die Kanzel, beweisen.
Bekannte Äbte der Abtei:
der hl. Anastasius, genannt von Papst Gregor d.Gr.,
der hl. Nonnosus, Nachfolger des hl. Anastasius, zuvor Abt auf dem Monte Soratte (er ist Mitpatron der Erzdiözese München-Freising),
Maiolo, später Abt in Cluny,
Elias, unter dem die Basilika gebaut wurde, und
Bovo, mehrfach erwähnt (s.S. 22, 27).
Im Jahre 1258 wurden die Mönche von Papst Alexander IV. nach Rom zurückgerufen; Abtei, Ländereien und Basilika gingen in den Besitz des Kapitels von S. Spirito in Sassia, Rom, über, das 1260 einen Glockenturm bauen und Restaurierungen vornehmen liess. Der Turm stürzte im Jahre 1856 ein.
Papst Paul III. überliess den ganzen Besitz dem Herzog von Parma, Pier Luigi Farnese (1540), bis der Hl. Stuhl 1663 wieder Eigentümer wurde.
Der Altar (Ziborium)
4 Säulen aus weiss-blauem Marmor und Granit tragen eine Galerie mit zierlichen Säulchen, auf denen das Giebeldach ruht.
Die Stirnseite schmückt ein Mosaikkreuz mit zwei Gammas (Kosmatenarbeit). Zwischen den korinthischen Kapitellen sieht man noch Stangen und Ringe, die die Vorhänge zum Verhüllen des Altares trugen. Der Name Ziborium weist hin auf die Aufbewahrung der Eucharistie: ein Gefäss, vielleicht in From einer Taube, hing über dem Altar vom Giebeldach herab.
Re. und li. im Seitenschiff sind zwei Altäre zu sehen, bei einer Restaurierung stark verändert. Ursprünglich befanden sich dort das Diakonikon und die Prothesis zum Ankleiden der Diakone und Aufbewahren der Opfergaben.
Die Fresken
Apsis (11. Jh.): Im oberen Teil herrscht Christus als Richter auf den Wolken. Zu seinen Füssen erscheinen, in sehr einfacher Form, die 4 Ströme des Ewigen Lebens, wo ebenfalls die Künstler ihre Namen verewigt haben: Johannes und Stefanus, Brüder, römische Maler, und Nikolaus, Neffe des Johannes.
Neben Christus stehen vier Heilige: Petrus, Paulus, Elias (ein Soldat, der Mönch und Abt des Klosters war) und (wahrscheinlich) Eliseus.
Im Mittelfeld bewegen sich 12 Lämmer zur Mitte, wo (leider zerstört) das Lamm Gottes stand. In späterer Zeit ist es darüber neu angebracht worden. Die Lämmer versinnbilden die 12 Apostel, sind aber auch Symbol für die beiden Völkergruppen von Juden und Heiden; li. Jerusalem, Hauptstadt der Juden; re. Bethlehem.
Im unteren Teil wird die Bewegung der Lämmer durch die Gruppe der Jungfrauen wieder aufgenommen, die ebenfalls zur Mitte gerichtet sind. In prunkvolle Gewänder gekleidet, die den byzantinischen Einfluss erkennen lassen, tragen sie auf ihren verhüllten Händen Kronen und Gefässe. Die beiden majestätischen Engel mit Zepter und einer Scheibe, für die keine Erklärung vorliegt, stehen hier zum ersten Male in der abendländischen Malerei an so zentraler Stelle.
Die Mittelfigur (leider zerstört) muss Maria gewesen sein (Toesca, Storia dell'Arte Italiana, Il Medioevo I, 925).
Querschiff (11. u. 12. Jh.): der li. Teil ist fast ganz zerstört. Die re. Seite bietet ein vollkommenes Bild mit Szenen aus der Apokalypse des hl. Johannes:
Öffnung des Buches mit den 7 Siegeln,
Engel gebieten den Winden,
die Drache richtet sich gegen die Frau, die mit der Sonne bekleidet ist.
Die Fresken stehen würdig neben den berühmten Malereien des Mittelalters in S. Angelo in Formis (Capua). Sie sind von einer majestätischen Konzeption, jedoch entfernt von der monumentalen byzantinischen Malerei.
Bemerkenswert sind noch die Schmuckbänder zwischen den Fresken, mit Motiven von Früchten, Papageien, Pfauen, Blättern und Granatäpfeln.
Die Jungfrauen
Der untere Teil der Apsis ist auf der li. Seite gut erhalten. Man sieht vier Jungfrauen in reichen Gewändern zur Mitte gewandt, wie sie auf verhüllten Händen ihre Kronen und Gaben der Muttergottes darreichen.
Im Vergleich mit den Fresken von S. Clemente in Rom ist hier die Ornamentik strenger gehalten, die Umrisse sind betonter.
Die Gesichtszüge sind stark mit Rot gezeichnet, die Wangen sogar überbetont.
Der Faltenwurf der Gewänder ist durch Weiss aufgehellt; vielleicht als Zeichen des byzantinischen Einflusses.
Die 24 Ältesten (re. Seite)
Die Darstellung bezieht sich auf Apokalypse 5, 10: "Du hast uns für unseren Gott zu Königen und Priestern gemacht". 6 Figuren je Reihe schreiten zur Mitte und heben auf der verhüllten re. Hand einen Kelch, während die Linke die Bewegung zur Mitte stark unterstreicht.
Die Gewänder, in den Farben deutlich voneinander abgesetzt, gleichen sich in Faltenwurf und Anzahl. Man muss vier verschiedene Gewandstücke unterscheiden:
a) die Tunika (das Alltagsgewand)
b) die Toga (das Obergewand)
c) die Kasel, die die re. Hand bedeckt
d) das «Orarium».
(Vgl. W. Dettmann, Die vier Kleidungsstücke der 24 Ältesten der Apokalypse der Basilika von Castel S. Elia, 1968). Es ist noch zu bemerken, dass die Gewänder der 24 Ältesten dieselbe Länge haben wie die Paramente des Museums (s.S. 11).
Der Tod des hl. Anastasius
Papst Gregor d. Gr. schreibt in seinen "Dialoghi" (I, 7) vom hl. Abt Anastasius, dass er vom hohen Felsen herab seinen und seiner Mönche Namen rufen hörte: "Anastasius, komm!" Es war der Ruf zum Sterben.
Das Fresko (unterhalb der 24 Ältesten) gibt in einfacher Form den Bericht wieder: in einem Halboval liegen die Mönche, über ihnen erscheinen zwei Hände und ein blauer Halbkreis - Zeichen des Himmels und des Rufens. Darüber stehen die Seelen der Verstorbenen zwischen einem Engel und einer Kapelle (s.S. 26).
In der Mitte sieht man den Glockenturm und li. die Einsegung der Leiche des hl. Anastasius vor Basilika und Kloster.
Dieses Fresko ist geschichtlich überaus bedeutend als Zeugnis für
a) die Existenz des Klosters.


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